Der Schritt vom vegetarisch zum vegan lebenden Menschen, konsequent und logisch?

Wir wissen ja alle, dass wir nicht als vegetarisch/vegan lebende Menschen geboren werden und i.d.R. zunächst mal auch Tierprodukte zu uns nehmen, bzw. genommen haben
Irgendwann, beim Einen früher, beim Andern später beginnt dann die Veränderung zum vegetarischen Essen, so sie dann überhaupt beginnt. Wird dabei ein Kind frühestmöglich schon vegetarisch „erzogen“, hat dieses dann eben diese Gewohnheit und macht sich vermutlich wenig Gedanken darüber.
Möchte aber diese Fälle jetzt mal ausklammern und beginne mitten im Leben. Es entschliesst sich ein Mensch von seinen fleischlichen Essgewohnheiten Abschied zu nehmen und wird vegetarisch.
Allein schon diese Veränderung hatte ja eine Ursache, ob aus Tiermitgefühl, aus gesundheitlichen Gründen oder der Umwelt zuliebe.
Nun is(s)t dieser Mensch also jetzt vegetarisch (wobei ich davon ausgehe, dass Fisch damit auch entfällt). Das entspricht zumindest dem allgemeinen Vegetarier-Standard.
Wen man jetzt mal annimmt, das der weitaus grösste Teil der vegetarisch lebenden Menschen sich dazu entschlossen hat aus Mitgefühl für die Nutztiere so zu leben (diese Annahme beruht aus der bisherigen Abschätzung der Beweggründe), dann bedeutet dies ja, dass er i.d.R. es nicht möchte, dass seinetwegen Tiere getötet werden, leiden müssen.
Bleiben wir mal bei dieser Kategorie von Menschen. Sie leben vegetarisch, essen aber weiterhin Milch-und Ei-Produkte. Sowohl Eier wie auch Milchprodukte bedeuten ja, dass dafür Tiere gezüchtet werden, in Massentierhaltungen i.d.R. fürchterlich gehalten werden, es kaum zu einer Tiermutter/Kind-Beziehung kommt, sie kaum oder gar nicht Tageslicht sehen, keine Wiesen kennen, kein natürliches Umfeld haben. In Bio-Haltung mag das etwas artgerechter ablaufen, kommt aber im Endeffekt auf das Gleiche raus, den gewollten Tod des Tieres.
Kann es sein, dass auch vegetarisch lebende Menschen nicht wissen:
- was mit Millionen von männlichen Küken geschieht, dass sie geschreddert oder vergast werden. Wird dies in Kauf genommen, nur des Eis wegen.
- Wie man zu Milch kommt? Dass es bedeutet, dass jede Kuh jedes Jahr (bei kleinen Biobetrieben vielleicht auch alle zwei Jahre) geschwängert werden muss, also ein Kalb gebiert. Dieses wird der Kuh dann wieder entrissen und entweder getötet (Kalbfleisch-Produkte) oder aber als Milchkuh ihr Leben weiterfristet kann, wenn‘s gut geht 4 Jahr, obwohl sie locker über 20 Jahre alt werden könnte.
Gibt es vegetarisch lebende Menschen, die diese Hintergrund-Informationen nicht haben oder einfach ausblenden?
Wenn aber dieser Hintergrund bekannt ist, müsste dies nicht zu dem Entschluss führen, den Schritt vom vegetarisch lebenden Menschen zum vegan lebenden Menschen durch zu führen.
Wäre also dieser Schritt konsequent und logisch?
Kann es für einen vegetarisch lebenden Menschen wirklich ein Unterschied sein, ob ein Tier wegen seinem Fleisch oder wegen seiner Milch ein solch unwürdiges Leben führen muss, getötet werden sie auf jeden Fall. Gibt es da die Rechtfertigung.
Aus ethischer Sicht würde ich das verneinen.
Dass man aus gesundheitlichen Gründen (Milchprodukte gesund und deshalb notwendig) diesen Schritt nicht vollzieht, da muss man auch aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen skeptisch sein. Diese haben längst bewiesen, dass die langfristige und andauernde Einnahme von Milchprodukten eher zu Erkrankungen führen, als dass es lebensnotwendig, gesund wäre.
Ein weiteres gesundheitliches Gegenargument und das dürfte aus gesundheitlichen Gründen das einzige sein, ist der mögliche der Vitamin B12-Mangel. Muss nicht sein, wenn man in diesem Falle Vitamin B12 supplementiert. Zig-Tausende vegan lebende Menschen tun dies und halten so ihren B12-Spiegel ins Lot, soweit überhaupt erforderlich (hier scheint die Hysterie der „Gesundheits-Experten“ über der möglicherweise folgenschweren Krankheiten als alleiniges Risiko für vegane lebende Menschen zu dienen, folgenschwere Nebenwirkungen von Arzneimitteln werden dabei völlig verniedlicht)
Was also hindert den vegetarisch lebenden Menschen den Schritt zum vegan lebenden Mensch zu tun. Bleibt nur die Gewohnheit, die Angst, er könne vielleicht doch gesundheitliche Schäden davon tragen. Vielleicht ist es eben auch das alt dahergebrachte Ernährungs-Dogma, welches aufrechterhalten wird, weniger aus Überzeugung, denn aus wirtschaftlichen Gründen, dies zumindest von der konventionellen Ernährungsindustrie.
Es nützt vielleicht nur wenig, wenn vegan lebende Menschen mit ihrem Beispiel zeigen, dass es keine Gründe (lassen wir mal bestimmte genetische Veranlagungen aussen vor, hat ja nicht jeder) gegen ein veganes Leben gibt. Aber wer hat schon einen Veganer neben sich in seinem Umfeld, mit dem man seine Erfahrung tagtäglich austauschen könnte. Auch mögen negative Einzelbeispiele bezgl. Ernährungsmangel (werden ja auch gerne von den Gegnern publiziert) eine Abschreckung sein, den Schritt zu gehen.
Würde der Schritt schneller vollzogen, wenn unisono die Ernährungswissenschaft eine vegane Ernährungsweise apostrophieren würde, also aus wissenschaftlicher Sicht keine Gründe dagegen vortragen würde. Ist das das fehlende Argument, welches den Schritt nicht vollziehen lässt.
Gibt es doch heute inzwischen genügend medizinische und ernährungstechnische Erkenntnisse, die die Vorteile veganer Ernährung bestätigen. Sie liegen vor, werden aber von der dominanten Pharma- und Ernährungsindustrie und ihrer hörigen Politiker immer wieder in Abrede gestellt. Wie wägt man nun diese Argumente gegenüber ab. Was davon scheint rational, logisch, was davon ist einfach lobbyistische Stellungnahme.
Mir scheint und das habe ich für mich entschieden, dass wissenschaftliche Informationen für den einzelnen nur eine Zusatzinformation sind, oft auch nicht immer verständlich und verifizierbar. Deshalb muss das Gewissen sprechen, mit abwägen, ob es weiterhin vertretbar ist, nur eine Teillösung zu akzeptieren. Dies habe ich vor 7 Jahren auch getan und bin zum Schluss gekommen, dass es für mich keine Gründe (abgesehen von bestimmten Gesundheitlichen) gibt diesen Schritt zu nicht gehen.

Ich wünsche vegetarisch lebenden Menschen, dass sie diesen Weg weiter beschreiten, er ist machbar, er ist gesund, es ist ein ganzheitlich mitfühlender Weg.

Kommentare

Martina Mechi meint:

Danke für den Bericht. Es ist machbar; und für mich bedeutet vegan leben kein Äverzicht, im Gegenteil!
Samstag 12 Oktober 17:35

Ein Leser meint:

Stimmt, der Schritt vom Vegetarier zum Veganer wäre aus ethischer Sicht nur konsequent. Er bringt für das tägliche Leben allerdings auch viele Probleme mit sich: Während es vegetarische Lebensmittel und Gerichte mittlerweile fast "an jeder Ecke" gibt, sind vegane Gerichte schon viel seltener. Man könnte z.B. mittags während der Arbeit nicht mehr einfach so mit Kollegen in der Kantine oder am Imbiß essen gehen, sondern müßte sich - um vollkommen sicher zu sein - sein Essen selbst zubereiten und mitbringen, wozu nicht jeder die Zeit oder die Ambitionen hat. Auch betrifft dies ja nicht nur Lebensmittel, sondern alle anderen Produkte des täglichen Lebens, die aus "Tierprodukten" bestehen oder mit deren Hilfe hergestellt werden, angefangen von Kleidung (vor allem Schuhe), Hygieneartikel und Kosmetika, bis hin zu Artikeln, bei denen man erst mal gar nicht darauf kommt, daß durch sie Umweltzerstörung (die auch für das Aussterben von Tierarten verantwortlich ist) betrieben wird, etwa das Palmöl in allen möglichen Produkten wie Margarine und unzähligen anderen Pordukten, für das Urwälder im großen Stil in Palen-Monokulturen umgewandelt werden und die dort ansässigen Menschen und Tiere (z.B. Orang-Utans) dann keinen Lebensraum mehr haben - von den Auswirkungen der Urwaldrodung auf das globale Klima ganz zu schweigen...

Wo ist also die Grenze, bis zu der Konsum ethisch noch vertretbar ist? Ich denke, das muß jeder für sich selbst abwägen und entscheiden.
Sonntag 05 Januar 16:17

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