Archiv für September 2013

Der Schritt vom vegetarisch zum vegan lebenden Menschen, konsequent und logisch?

September 24, 2013 - Gerhard Fischer
Wir wissen ja alle, dass wir nicht als vegetarisch/vegan lebende Menschen geboren werden und i.d.R. zunächst mal auch Tierprodukte zu uns nehmen, bzw. genommen haben
Irgendwann, beim Einen früher, beim Andern später beginnt dann die Veränderung zum vegetarischen Essen, so sie dann überhaupt beginnt. Wird dabei ein Kind frühestmöglich schon vegetarisch „erzogen“, hat dieses dann eben diese Gewohnheit und macht sich vermutlich wenig Gedanken darüber.
Möchte aber diese Fälle jetzt mal ausklammern und beginne mitten im Leben. Es entschliesst sich ein Mensch von seinen fleischlichen Essgewohnheiten Abschied zu nehmen und wird vegetarisch.
Allein schon diese Veränderung hatte ja eine Ursache, ob aus Tiermitgefühl, aus gesundheitlichen Gründen oder der Umwelt zuliebe.
Nun is(s)t dieser Mensch also jetzt vegetarisch (wobei ich davon ausgehe, dass Fisch damit auch entfällt). Das entspricht zumindest dem allgemeinen Vegetarier-Standard.
Wen man jetzt mal annimmt, das der weitaus grösste Teil der vegetarisch lebenden Menschen sich dazu entschlossen hat aus Mitgefühl für die Nutztiere so zu leben (diese Annahme beruht aus der bisherigen Abschätzung der Beweggründe), dann bedeutet dies ja, dass er i.d.R. es nicht möchte, dass seinetwegen Tiere getötet werden, leiden müssen.
Bleiben wir mal bei dieser Kategorie von Menschen. Sie leben vegetarisch, essen aber weiterhin Milch-und Ei-Produkte. Sowohl Eier wie auch Milchprodukte bedeuten ja, dass dafür Tiere gezüchtet werden, in Massentierhaltungen i.d.R. fürchterlich gehalten werden, es kaum zu einer Tiermutter/Kind-Beziehung kommt, sie kaum oder gar nicht Tageslicht sehen, keine Wiesen kennen, kein natürliches Umfeld haben. In Bio-Haltung mag das etwas artgerechter ablaufen, kommt aber im Endeffekt auf das Gleiche raus, den gewollten Tod des Tieres.
Kann es sein, dass auch vegetarisch lebende Menschen nicht wissen:
- was mit Millionen von männlichen Küken geschieht, dass sie geschreddert oder vergast werden. Wird dies in Kauf genommen, nur des Eis wegen.
- Wie man zu Milch kommt? Dass es bedeutet, dass jede Kuh jedes Jahr (bei kleinen Biobetrieben vielleicht auch alle zwei Jahre) geschwängert werden muss, also ein Kalb gebiert. Dieses wird der Kuh dann wieder entrissen und entweder getötet (Kalbfleisch-Produkte) oder aber als Milchkuh ihr Leben weiterfristet kann, wenn‘s gut geht 4 Jahr, obwohl sie locker über 20 Jahre alt werden könnte.
Gibt es vegetarisch lebende Menschen, die diese Hintergrund-Informationen nicht haben oder einfach ausblenden?
Wenn aber dieser Hintergrund bekannt ist, müsste dies nicht zu dem Entschluss führen, den Schritt vom vegetarisch lebenden Menschen zum vegan lebenden Menschen durch zu führen.
Wäre also dieser Schritt konsequent und logisch?
Kann es für einen vegetarisch lebenden Menschen wirklich ein Unterschied sein, ob ein Tier wegen seinem Fleisch oder wegen seiner Milch ein solch unwürdiges Leben führen muss, getötet werden sie auf jeden Fall. Gibt es da die Rechtfertigung.
Aus ethischer Sicht würde ich das verneinen.
Dass man aus gesundheitlichen Gründen (Milchprodukte gesund und deshalb notwendig) diesen Schritt nicht vollzieht, da muss man auch aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen skeptisch sein. Diese haben längst bewiesen, dass die langfristige und andauernde Einnahme von Milchprodukten eher zu Erkrankungen führen, als dass es lebensnotwendig, gesund wäre.
Ein weiteres gesundheitliches Gegenargument und das dürfte aus gesundheitlichen Gründen das einzige sein, ist der mögliche der Vitamin B12-Mangel. Muss nicht sein, wenn man in diesem Falle Vitamin B12 supplementiert. Zig-Tausende vegan lebende Menschen tun dies und halten so ihren B12-Spiegel ins Lot, soweit überhaupt erforderlich (hier scheint die Hysterie der „Gesundheits-Experten“ über der möglicherweise folgenschweren Krankheiten als alleiniges Risiko für vegane lebende Menschen zu dienen, folgenschwere Nebenwirkungen von Arzneimitteln werden dabei völlig verniedlicht)
Was also hindert den vegetarisch lebenden Menschen den Schritt zum vegan lebenden Mensch zu tun. Bleibt nur die Gewohnheit, die Angst, er könne vielleicht doch gesundheitliche Schäden davon tragen. Vielleicht ist es eben auch das alt dahergebrachte Ernährungs-Dogma, welches aufrechterhalten wird, weniger aus Überzeugung, denn aus wirtschaftlichen Gründen, dies zumindest von der konventionellen Ernährungsindustrie.
Es nützt vielleicht nur wenig, wenn vegan lebende Menschen mit ihrem Beispiel zeigen, dass es keine Gründe (lassen wir mal bestimmte genetische Veranlagungen aussen vor, hat ja nicht jeder) gegen ein veganes Leben gibt. Aber wer hat schon einen Veganer neben sich in seinem Umfeld, mit dem man seine Erfahrung tagtäglich austauschen könnte. Auch mögen negative Einzelbeispiele bezgl. Ernährungsmangel (werden ja auch gerne von den Gegnern publiziert) eine Abschreckung sein, den Schritt zu gehen.
Würde der Schritt schneller vollzogen, wenn unisono die Ernährungswissenschaft eine vegane Ernährungsweise apostrophieren würde, also aus wissenschaftlicher Sicht keine Gründe dagegen vortragen würde. Ist das das fehlende Argument, welches den Schritt nicht vollziehen lässt.
Gibt es doch heute inzwischen genügend medizinische und ernährungstechnische Erkenntnisse, die die Vorteile veganer Ernährung bestätigen. Sie liegen vor, werden aber von der dominanten Pharma- und Ernährungsindustrie und ihrer hörigen Politiker immer wieder in Abrede gestellt. Wie wägt man nun diese Argumente gegenüber ab. Was davon scheint rational, logisch, was davon ist einfach lobbyistische Stellungnahme.
Mir scheint und das habe ich für mich entschieden, dass wissenschaftliche Informationen für den einzelnen nur eine Zusatzinformation sind, oft auch nicht immer verständlich und verifizierbar. Deshalb muss das Gewissen sprechen, mit abwägen, ob es weiterhin vertretbar ist, nur eine Teillösung zu akzeptieren. Dies habe ich vor 7 Jahren auch getan und bin zum Schluss gekommen, dass es für mich keine Gründe (abgesehen von bestimmten Gesundheitlichen) gibt diesen Schritt zu nicht gehen.

Ich wünsche vegetarisch lebenden Menschen, dass sie diesen Weg weiter beschreiten, er ist machbar, er ist gesund, es ist ein ganzheitlich mitfühlender Weg.

Mitweltpädagogik

September 11, 2013 - Gerhard Fischer
Was Hänschen nicht lernt...
über
die richtige Heranführung junger Menschen an die Belange nichtmenschlichen Lebens



Wie sollen Junge Menschen, Kinder zu ethischem Bewusstsein kommen, wenn nicht dieses im Elternhaus geschieht und wenn dort nicht, dann in der Schule gelehrt wird.

Ethisches Bewusstsein im Sinne MITWELT schliesst das Verstehen, Kennenlernen, Aktzeptieren auf das Recht zu Leben anderer Geschöpfe mitein. Es geht nicht nur um das Zwischenmenschliche, sondern eben und vorallem um die Beziehung Mensch zu Tier.
Gerade Kinder haben noch weit mehr empathisches Empfinden gegenüber Allem, sind davon noch nicht entwöhnt. Doch in der Gesellschaft angekommen, sei es Elternhaus, Kindergarten, Schule wird diese Beziehung zu Tieren eingeteilt in die, die man liebt und in die die man frisst.

Der nachfolgende Artikel von AKT ( Aktion Konsequenter Tierschutz) von Peter.H. Arras zeigt m.E diese Problematik sehr gut auf und enthält die Fragen wie die Antworten dazu.

http://www.bodensee-vegan.eu/Mitweltp%C3%A4dagogik.pdf


Drei Gründe vegan zu leben

September 06, 2013 - Gerhard Fischer
Vegan zu leben heisst ja mehr als nur vegan Essen, vegan leben schliesst jeglichen Gebrauch oder Nutzung von tierischen Produkten aus, also auch bei Kleider, Möbel und Accessoires.

Dies mag zunächst eine Einschränkung bedeuten, vor allem, wenn man die Vielfalt der hiesigen Produkte gewöhnt ist, aber gegenüber der gewonnenen Erkenntnis ist das locker ertragbar.

Was bewegt jemand vegan zu leben. M.E. gibt es drei wesentliche Gründe:

<> Ethik
Mit der Massentierhaltung in der heutigen Form ist ein Punkt erreicht, den man gewissermassen unmenschlich nennen darf, wobei die Unmenschlichkeit sich eben auf die Art der Menschen wie sie mit den Tieren umgehen bezieht. Das Bewusstsein, dass es eben keine Doppelmoral geben darf (die eine bezieht sich auf die Spezies Mensch, die andere und die eben völlig anders auf die Tiere, wobei auch hier extreme Unterschiede gemacht werden), ist einer der wesentlichen Gründe vegan zu leben. Hier spielt das Mitgefühl mit allen Wesen, Tier wie Mensch eine dominante Rolle, ebenso wie es aus diesem Grund nicht sein darf, dass Tiere gezüchtet, ausgebeutet nicht artgerecht leben dürfen und anschliessend gezielt getötet werden.
Keine Argumentation dagegen kann aufrecht erhalten werden, auch nicht die immer wieder zitierte Evolution, nach der wir aus dem Tier geboren von Natur aus Fleischesser waren und folglich immer sein müssen. Das alles ist Vergangenheit und hinsichtlich der gegenwärtigen Entwicklung des Menschen mit keinem auch noch so dahergebrachten wissenschaftlichen Argument haltbar.
Ebenso sind gewisse religiöse Argumente, die die Kirchen gerne als Alibi für das Fleischessen mit alttestamentarischen Zitaten ins Feld führt vernichtend mit gegenteiligen Zitaten aus denselben Büchern zu schlagen. Mehr als alle Gesellschaftformen haben uns die Religionen der Christen, Moslem und Juden eingeredet, diktiert, der Mensch möge sich die Natur Untertan machen. Wie schwer wiegen diese Verhaltensmuster im Denken der Menschen, wie schwer scheinen sie eliminiert werden zu können. Der Weg zu einer sich bewusst werdenden Menschheit, frei von Gewalt gegenüber allem Leben, wird allerdings ein mühsamer sein, da er für Jeden individuell zu gehen ist und sich nur dadurch die Gesellschaft als „Ganzes Bewusstsein“ revitalisiert werden kann.

<> Umwelt
Die Umweltsünden der Menschen sind enorm. sie begannen mit dem industriellen Zeitalter und haben sich heute in allen Bereichen der Wirtschaft und des täglichen Lebens potenziert. Einen nicht unwesentlichen Anteil dazu tragen die konventionelle Land- und Tierwirtschaft und darin eben die tierproduktmässige Lebensmittelindustrie. Diese Bereiche verbrauchen ungeheure Ressourcen von der Erzeugung bis zum Produkt im Supermarkt. Dies kann man z.B. am ökologischen Footprint, dem sogenannten CO²-Äquivalent, einzelner Lebensmittelprodukte sehr gut ablesen. Daraus kann auch wissenschaftlich belegt, gefolgert werden, dass z.B. der Ressourcenverbrauch an Wasser, Landfläche und Energie für die Aufrechterhaltung tierischer Nahrung ein Vielfaches dessen ausmacht, was für vegane Nahrung benötigt würde. Es gibt überwiegende weltweite wissenschaftliche Argumente, die klar und eindeutig diesen Ressourcenverbrauch für den Klimawandel mitverantwortlich machen, die ebenso überwiegend die nahe Zukunft der Menschheit durch Hungersnöte stark gefährdet sehen, dabei schon auch die Szenarien beschreiben was sich daraus ableiten lässt, die Vernichtung grosser Massen von Menschen und Tieren, letztlich die Überlebensfrage an sich stellen, sollte es nicht zu gravierenden Änderungen bezgl. Der Nahrungserzeugung kommen.


<> Gesundheit
Nichts bewegt den Menschen so sehr wie tägliche Nahrung. Gesund essen ist heute durchaus ein unumkehrbarer Trend, angefangen von biologisch erzeugten Lebensmitteln, Slowfood-Bewegung, den vielen vegetarischen Ernährungsvarianten bis hin zur veganen Ernährung. Dabei scheint dieser Trend mehr von Frauen und generell der gebildeteren Menschen aufgenommen zu werden. Der Aspekt Gesundheit spielt darin die tragende Entscheidung. Den Zusammenhang zwischen Krankheiten und tierischen Nahrungsmitteln wird jedoch von unserer gesteuerten Konsumgesellschaft noch sehr wenig wahrgenommen. Diejenigen, die es tun und erkennen werden vegan.
Es ist bewiesen, wissenschaftlich nachgewiesen, dass der Verzehr von tierischen Produkten der entscheidende Grund unserer heutigen Volkskrankheiten (Diabetes, Krebs, Herz-und Kreislaufkrankheiten, Osteoporose, Fettsucht) ist. Dr. Henrich von ProVegan hat hier für den deutschsprachigen Raum Pionierarbeit geleistet und die unzähligen Studienergebnisse (zumeist aus dem englischsprachigen Raum) auf das wesentliche und in verständlicher Art publiziert. Die offiziellen für Ernährung zuständigen wissenschaftlichen Gremien in den USA, Kanada und Australien haben dies klar zum Ausdruck gebracht und rufen zum Verzicht tierischer Produkte auf. Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) scheint nur langsam sich in diese Richtung zu bewegen, warnt aber immer noch vor veganer Ernährung für Kleinkinder und Schwangere.
Das gegenwärtige Gesundheitssystem, ob hier in Deutschland oder in anderen ähnlichen Gesellschaftformen, ist nicht wirklich darauf ausgelegt Menschen gesund zu machen. Wohl richtig, dass durch die Medikamente und Technik das Leben der Menschen heute verlängert wird, sie älter werden lassen, aber es ist immer nur eine Symptom-Bekämpfung, die Ursachen (krankmachende Nahrungsmittel) werden nicht behandelt. Dass dies gewollt ist, so bleibt, dafür sorgt schon der Lobbyismus der betr. pharmazeutischen, ärztlichen und landwirtschaftlichen Verbände.
Vegan lebende Menschen haben dies sehr wohl erkannt und durch ihre Ernährungsweise widerlegen sie i.d.R. die durch das System aufgestellte These, dass der Mensch ohne tierische Produkte nicht gesund leben könne.